Gespräch mit Dr. Dietrich Hüppe zum Thema Armut und Gesundheit

Neue Daten aus Herne im Ruhrgebiet zeigen, dass in Herne (Ruhrgebiet) mehr Menschen an Krebs gestorben sind (538 pro 100000 Einwohner) als in allen anderen Städten in NRW (345 pro 100 000 Einwohner). Herne gehört zu den ärmsten Kreisen der Bundesrepublik Deutschland. Herne hat selbst Gelsenkirchen, das noch ärmer ist, bei der Sterberate an Krebs überholt. An erster Stelle der Krebserkrankung stehen Magen-Darm-Erkrankung, gefolgt von Krebserkrankung der Atemwege. Für uns ist dies ein Hinweis darauf, dass soziale Ungleichheit auch zu gesundheitlicher Ungleichheit führt. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass Arztdichte und Engagement der Ärzte allein diese Ungleichheit nicht aufheben können. Es ist ein Hinweis darauf, dass Engagement für nachhaltige und ökologische Entwicklung der Städte und mehr soziale Gerechtigkeit Ärztinnen und Ärzte sich zu eigen machen sollten. Dennoch ist diese Untersuchung eine Aufforderung an die primär ärztlichen Versorger, ihre ärmeren Patientinnen und Patienten zu mehr Vorsorgeuntersuchungen besser zu erreichen und zu motivieren.

Hausärztetag Sachsen 2026

Freitag, 06.11.2026 13:30-15:00 Uhr
Update Umgang mit PatientInnen mit chronischen Schmerzen

Samstag, 07.11.2026 09:00-10:30 Uhr
Umgang mit verbaler Gewalt in der hausärztlichen Praxis

Samstag, 07.11.2026 11:00-12:30 Uhr
Das anamnestische Erstgespräch sinnvoll gestalten

Künstliche Intelligenz und Beziehungsmedizin

Thesen anlässlich des Tages der Allgemeinmedizin in Bochum 21.3.2026
Künstliche Intelligenz, insbesondere generative Künstliche Intelligenz, beflügelt Daten- und Informationsbereitstellung und wird damit allen im Gesundheitsbereich Tätigen hilfreich sein. Auch medizinische Forschung wird bereits dadurch gefördert. Die Robotic wird therapeutische Interventionen verbessern. Künstliche Intelligenz wird Teile des diagnostischen medizinischen Prozesses besser vollbringen als Ärztinnen und Ärzte dies tun können. Künstliche Intelligenz sollte daher genutzt werden zum Vorteil einer besseren Fürsorge für unsere Patientinnen und Patienten und unserer Teams und zur Zeitersparnis für uns selber.

These 1: Künstliche Intelligenz hilft bei der Informationsverarbeitung und der Dokumentation.
Bedenken: die mögliche Diskriminierung von Minderheiten, die die Eingabe von bisherigen Daten einschließt.

These 2: Künstliche Intelligenz kann die persönliche Beziehung zwischen Arzt- Team - Patient in der medizinischen Versorgung nicht ersetzen. Die persönliche Beziehung zwischen Arzt Patient ist mehr als Sprache und verbale Interventionstechniken. Wissen macht keine Weisheit.
Künstlicher, auch generativer Intelligenz, fehlt der Körper und die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Der menschliche Körper ist Speicher der Lebenserfahrung und auch Zugang zum Anderen. Denn Menschen können sich ohne den Anderen nicht entwickeln. Chatbots können ein menschliches Gegenüber nicht ersetzen. Darauf verweisen auch Beobachtungsstudien aus Deutschland über die Wirkung von Chatbots auf Menschen mit Depression. Nach einigen Wochen fühlten sie sich genauso einsam wie vorher. Künstliche Intelligenz imitiert das Prinzip kooperativer Netzwerke, die an die Netzwerke menschlicher Gehirnzellen erinnert. Der menschliche Körper ist jedoch in die Funktionsweise des Gehirns fest eingebunden. Diesen kooperativen Zusammenhang kann Künstliche Intelligenz nicht darstellen. Philosophisch gesprochen: Wir wissen immer noch nicht genau, was Intuition ist. Ebenfalls verfügt Künstliche Intelligenz nicht über die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Diese Fähigkeit Ist für menschliche Kommunikation jedoch elementar. Ohne diese Fähigkeit der Selbstreflexion und damit auch der Fähigkeit sich vorzustellen, welche Folgen eine gegebene Intervention für den anderen und sein Umfeld haben könnte, können verbale Interventionen verhängnisvoll werden. Chatbots suggerieren ein lebendiges Gegenüber. Ein Beleg dafür ist, dass in den USA ein Chatbot einen jungen Menschen zum Selbstmord animierte. Wir wissen, dass eine langfristig angelegte Beziehung zwischen Patient- Arzt Morbidität und Mortalität senkt. Die personale Beziehung selber ist wesentlich wirksam für Gesundheit und Resilienz. Es besteht die Gefahr, dass diese Bedeutung nicht im ausreichenden Maße beachtet wird. Wir erinnern uns alle an die Pandemiezeitpunkt. Online-Treffen haben an Bedeutung gewonnen, besonders bei Vorträgen und der Wissensvermittlung, aber wir sind zur persönlichen Begegnung zurückgekehrt als wichtiges Element von Aus-und Weiterbildung. Gegenwärtige Gefahr: Verhinderung von Autonomie unserer Patientinnen und Patienten Künstliche Intelligenz steht unseren Patienten grenzenlos in der Zeit und jederzeit zur Verfügung und ist darüber hinaus grenzenlos in dem Bemühen, gefällig zu sein. Denn sie will immer weiter benutzt werden. Doch das Setzen von Grenzen ist in allen Beziehungen elementar für die Entwicklung des jeweiligen Gegenübers. Sie wissen das selber aus der Erziehung Ihrer Kinder. Sie wissen das, ohne über Psychotherapieerfahrung zu verfügen. Weil bisher Chatbots aus dem Bemühen, Gefallen zu finden, keine Grenzen setzen, fördern sie nicht die Autonomie des Gegenübers. Doch dieses Ziel ist inhärent auch bei allen Interventionen in der hausärztlichen Praxis: die Selbstständigkeit unserer Patientinnen und Patienten zu fördern. Stattdessen bindet ein Chatbot die Patientinnen und Patienten an sich selber.

These 3: Hilfreich bei der Psychoedukation – wenn wir den Prozess begleiten
Zu Zwecken der Psychoedukation der Patientinnen und Patienten kann der Einsatz von digitalen Gesundheit-Apps sinnvoll sein. Sie fördern auf verhaltenstherapeutischer Grundlage Selbsthilfe und Informiertheit der Patientinnen und Patienten. Wenn sie nicht als Ersatz der therapeutischen Betreuung eingesetzt werden, können sie Ärztinnen und Ärzten und nichtärztlichen Therapeutinnen und Therapeuten Zeit ersparen. Welche Folgen ergeben sich daraus für uns gegenwärtig?

These 4: In der Anamnese nach benutzten digitalen Informationen und Chatbot fragen und aufklärend auf die Gefahren aufmerksam machen
Da in nicht bekanntem Ausmaß nicht verordnete digitale Angebote und Chat-bots genutzt werden, sollten Hausärztinnen und Hausärzte ihre Patientinnen und Patienten anamnestisch danach fragen.

These 5: Fragen, welche ärztlicheren Funktionen nicht ersetzbar, sondern mit uns verbunden sind und diese fördern.
Ich freue mich, dass der Einsatz künstlicher Intelligenz diese Frage aufwirft, was uns als Ärztinnen und Ärzte im Kern ausmacht. In der gegenwärtigen Diskussion sollten wir uns die Frage stellen, welche unserer Aufgaben nicht zu delegieren sind. Administrative Aufgaben sind sicherlich eher delegierbar. Die personale Beziehung, die mehr ist als Sprache, ist es sicherlich nicht.

These 6: Selbstreflexion sollte in Aus- und Weiterbildung eine größere Bedeutung gewinnen.
Zum Beispiel die Selbstreflexion in Balint-Gruppen und die psychosomatische Grundversorgung als Aspekt in allen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen.

32. Sächsischer Hausärztetag - Vorträge am 15.11.2025

Zeit- und Stressmanagement
Mehr an das Praxisteam delegieren? Mehr Künstliche Intelligenz und digitale Angebote nutzen? Sicherlich ist das zur Effizienzsteigerung in unserem Gesundheitswesen sinnvoll. Zentral ist jedoch ein Zeitmanagement, das der Gestaltung einer kooperativen, vertrauensvollen Beziehung zu unseren Patient:innen Raum gibt. Wie können zeitfressende Interaktionen vermieden werden? Gute Beziehungen zu unseren Patient:innen und in unseren Teams sind auch für Ärzt:innen Stress reduzierend. Darüber hinaus schildere ich aus meiner langjährigen Praxiserfahrung, welche Änderungen der Praxisorganisation bis hin zum Terminplaner im Arbeitsalltag sinnvoll sein können.

Was ist Burnout und wie beuge ich vor?
Das erschöpfte Selbst ist ein Symptom unserer Zeit. Ärzt:innen wie ihre Patient:innen fühlen sich von Burnout bedroht. Der ICD 11 definiert Burnout nicht als eigenständige Diagnose, sondern als einen Zusatz zu einer Diagnose wie zum Beispiel der unipolaren Depression, wenn Erschöpfung und Lustlosigkeit im Zusammenhang des Arbeitsplatzes zu verstehen sind. Ich möchte Ihnen neurobiologische Hintergründe darstellen und das Symptombild entmystifizieren. Vor allem möchte ich Ihnen sinnvolle Strategien zur Vorbeugung vermitteln, die über die allgemeinen Empfehlungen: „Machen Sie viel Sport!“ oder „Entspannen Sie sich!“ hinausgehen. Das Erleben gelungener Patient-Arzt Beziehungen ist dafür zentral. Es erhält die Freude an unserem Beruf. Belastende Interaktionen können besprochen werden. Darüber hinaus werden Team-Konflikte reduzierende Elemente der Praxisorganisation und individuell Stress reduzierende Techniken im Arbeitsalltag dargestellt.

Chronische Schmerzen
Beispielhaft an einem Video eines Gesprächs in der hausärztlichen Praxis möchten wir mit Ihnen die Gesprächsführung mit chronischen Schmerzpatientinnen und -patienten thematisieren. Welche Beziehungsmuster belasten uns immer wieder in der Interaktion? Darüber stellen wir dar, wie neurobiologische Modelle der Schmerzentstehung uns helfen können, diese Patienten besser zu verstehen.

Angstpatienten: Stabilität und Sicherheit schaffen

Artikel veröffentlicht in "Der Allgemeinarzt" Ausgabe 10/2025

Wie begegnen wir Angstpatienten im Praxisalltag? Mit Empathie, klarer Kommunikation und gezielten Interventionen können wir Stabilität schaffen, Sicherheit vermitteln und Selbstständigkeit fördern.
zum Artikel

Refresher Kurs psychosomatische Grundversorgung

Auf der Practica in Bad Orb am Freitag den 25. Oktober 2024 ganztägig

Haben sich die Anregungen aus der Weiterbildung Psychosomatische Grundversorgung in Ihrem Arbeitsalltag bewährt? Oder sind sie eher verblasst? In diesem Workshop möchte ich an Ihre Erfahrungen anknüpfen. Ich möchte theoretisches, beziehungsmedizinisches Wissen vertiefen. Doch vor allem anhand Ihrer Fälle und darauf aufbauenden Rollenspielen und Patientenvideos aus meiner Praxis besprechen und üben, wie eine hilfreiche positive Beziehung zwischen Patient- Arzt aufgebaut werden kann. Welche Hausaufgaben stabilisieren Patientinnen und Patienten in der hausärztlichen Praxis und fördern deren Selbstwirksamkeit? Bringen Sie Ihre Fälle mit und das Interesse, in offener Atmosphäre mit anderen neue Lösungen zu erarbeiten.

Workshop auf der Practica zum Thema Krankheitsangst am Donnerstag den 24. Oktober

Von vernünftig und in unseren Augen nachvollziehbar bis hin zu wahnhaft begegnen uns ängstliche Patienten. Das Gefühl der Angst und die unterschiedlichen Wege, mit ihr umzugehen, tragen zur Überversorgung in der Diagnostik bei. Bezugnehmend auf die Leitlinie und die DEGAM Praxisempfehlung zum Umgang mit Patientinnen und Patienten mit Angst möchte ich mit Ihnen die Gesprächsführung besprechen. Es wird Raum für Ihre Fälle geben.

12.10.2024 in Heidelberg

Vorträge mit dem Institut für Hausärztliche Fortbildung Heidelberg am Samstag, den 12.10.2024 in Heidelberg: Gespräche mit MitarbeiterInnen – gut geführt und Der schwierige Patient

19.11.2024 in Berlin

Charite Campus Mitte: Podiumsdiskussion am 19.November 17 Uhr: Zukunft der Psychosomatik

22.11.2024 Online Forum der AG Psychosomatik

Online Forum der AG Psychosomatik am 22. November 2024 zum Thema: Versorgung von psychisch schwer erkrankten und sozial ausgegrenzten Menschen

Herner Palliativtag am 27. November 2024